Manchmal ist das Leben einfach ein bisschen schlecht in Form, da kann man herumbiohacken, soviel man will. Da wird die Welt zwei Jahre zugesperrt, alle haben Angst vorm Sterben. Wenn die Welt wieder aufsperrt, muss es einer in Moskau mit dem EndlichwiedervondaheimRausdürfen übertreiben, alle kriegen wieder Angst vorm Sterben.

Und weil das ganze Geld, das in den letzten Jahren gedruckt wurde, erstaunlicherweise dazu führt, dass das einzelne Geld weniger wert wird, kriegen auch noch alle Angst vorm Verhungern und Erfrieren. Und wer nach all dem immer noch glückselig in seinem Parasympathikus herumschlummert – und zwar sogar dann, wenn er an den Zustand der Meere und Gletscher und Böden denkt –, der hat immerhin Bammel davor, dass das vor einem Jahr bestellte Auto erst dann geliefert wird, wenn es als Oldtimer durchgeht.

Kennen Sie jemanden, der auf die Idee käme, das Titellied von „Dirty Dancing“(*) zur Hymne seines aktuellen Lebensabschnitts zu wählen? Nun wollen Sie von mir wissen: Wie geht ein Biohacker mit einer Übermacht an Dingen um, die er nicht ändern kann, aber mit denen er irgendwie doch lernen muss umzugehen?

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Bitte schön:

  1. Oxytocin: Begegnen Sie Menschen ganz bewusst liebevoll. Öffnen Sie sich. Kuscheln Sie und engagieren Sie sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. (Gerne, aber nicht zwingend zur gleichen Zeit.) Immer wenn Sie sich anderen verbunden fühlen, wenn Sie anderen etwas Gutes tun, drehen Sie in Ihrem Inneren den Oxytocin-Hahn auf. Oxytocin kennen Sie als „Kuschelhormon“. Es ist der Endgegner jeder Art von Stress. Oxytocin ist Lebensglück, das es beim Feuerwehreinsatz gibt, beim Herumschmusen auf der Couch mit dem/der Lebensparter/in, dem Haus- oder sogar dem Kuscheltier (**).

  2. Melatonin: Das Zeug wirkt. (Deswegen funktionieren ja auch BlueblockerBrillen.) Probieren Sie damit herum, es hilft beim Einschlafen, Sprays gibt es mittlerweile überall. Melatonin ist besser als jedes noch so bewährte Schlafmittel. Und nichts – außer Kuscheln und Feuerwehrübungen – ist derzeit wichtiger für Sie als Schlaf.

  3. Atmen: Wenn Sie nun, dem Melatonin sei Dank, zwar gut eingepennt sind, aber sich dann nachts von der linken Sorgenseite auf die rechte wälzen, machen Sie es wie ich: Legen Sie eine Mini-Wim-Hof-Session ein. Also nicht dreißigmal tief ein und ausatmen vorm Luftanhalten, sondern nur zehn oder fünfzehnmal, und das richtig locker. Luftanhalten ohne Retention-Time-Egoporno, ganz ohne Stoppuhr, entspannt, im Dunkeln. Nach dem zweiten Durchgang biegen Sie links ab ins Land der Träume.

4. Lithium: Ich meine nicht, dass Sie Lithium-Aktien kaufen oder an der Batterie Ihres E-Autos herumnuckeln sollen. Ich meine, dass Sie Ihren Organismus mit dem Spurenelement Lithium aufladen sollen. Lithium wirkt (in geringen Dosen, Obacht!) stimmungsaufhellend. Gibt es als verkapseltes Supplement oder als Bestandteil von manchen Heilwässern. Ich kenne zwei mit beeindruckendem Lithiumgehalt: Das Wasser aus der Annaquelle in Maltern in der Buckligen Welt in Niederösterreich, das gibt es allerdings nur vor Ort. Und das Wasser aus Thalheim in der Steiermark, das gibt es im Supermarkt Ihres Vertrauens.

5. Kein Gluten: Lassen Sie das Zeug verdammt noch mal endlich eine Zeit lang weg, vorgenommen haben Sie es sich ja eh schon lang genug. Ist Ihr Darm nicht mit einer Eliteeinheit von Mikroben-Gladiatoren besiedelt und verfügen Sie nicht über die stabilste Darmwand der Welt, haben Sie eine sehr gute Chance, dass Gluten allein Sie depressiver macht, als ein übermotiviertes Virus oder ein wild gewordener Ex-KGB-Agent gemeinsam es jemals zusammenbringen könnten.

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(*) Für alle, die nach 1975 geboren wurden: Es ist „The Time of My Life“.

(**) Ich habe mir (verraten Sie mich nicht!) zum Einschlafen von meiner Tochter ihren Glücksaffen geliehen. Meine Schlafwerte waren reproduzierbar über mehrere Nächte verblüffend gut.

Stefan Wagner

Foto: Martin Kreil

STEFAN WAGNER ist Biohacker, das heißt, von dem Gedanken beseelt, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Körper, Geist und Seele durch verschiedenste Maßnahmen zu verbessern – um so länger und besser zu leben. Bis 120, hat er sich vorgenommen. Mindestens.

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