Der optimierte Wagner, Teil 15: Abnehmen? Fehlanzeige!
Sie erinnern sich an meine Anti-Coronawampen-Challenge? Ich bin gescheitert.

Oriana Fenwick
Stand per heute früh ist nämlich: 91,4 Kilo, Körperfett 18,9 %. Gestartet war ich acht Wochen davor, hier nachzulesen, mit 97,7 Kilo und 20,8 %. Ziel waren 89,7 Kilo und 15,8 %. Das sind eh sechs Kilo und ein bissl Körperfett, es sind eh nicht mehr alle Hosen zu eng, das Gesicht ist eh nicht mehr das von einem bärtigen Vollmond-Teletubby …
Hören Sie sofort auf, mir engelsgeduldig dabei zuzuhören, wie ich Ausreden vor Ihnen ausbreite: Das Experiment ist missglückt. Ich will Ihnen erklären, woran das lag.
Ich hab zu wenig gegessen. Aus meinem üblichen intermittierenden 16:8-Fasten wurde OMAD (kennt man als „one meal a day“), daraus wurde OSMAD (kennt man nicht, bedeutet „one small meal a day“). Das liegt daran, dass man vom Abnehmen offenbar deppert wird. Man denkt nämlich, wenn man ans Abnehmen denkt, immer daran, weniger und weniger Kalorien aufzunehmen, da hilft es gar nichts, dass man weiß, dass das Blödsinn ist.
Ich hab mich jeden Tag auf die Waage gestellt. Das soll man, auch als selbstvermessungsoptimierter Biohacker, nicht tun. Sie nehmen ja nicht für die Waage ab, sondern für Ihre Gesundheit, für Ihr Wohlfühlen, für Ihre Lebensenergie. Dass Sie dann gut ausschauen, lässt sich beim bösesten Willen nicht verhindern.
Stressen Sie sich nicht, und gestatten Sie auch anderen nicht, Sie zu stressen. (Das war mein dümmster Fehler. Ich hatte den ganzen Sommer richtig Stress im Job und dachte, ich krieg das trotzdem hin mit dem Abnehmen.) Sie werden gar nix abnehmen, wenn Sie gestresst sind, da klammern die Fettzellen, denn sobald Ihr Körper Cortisol ausschüttet, wird nicht nur kein Fett verbrannt, sondern es wird auch mehr Insulin ausgeschüttet: Speicherhormon!
Vergessen Sie Disziplin. Ich hab’s eh selbst obergescheit in mein Buch geschrieben, dass Disziplin nichts ist, was im Leben für die Langstrecke taugt. Aber der supere Herr Wagner optimiert sogar sein Scheitern, er ist also nicht nur gescheiter als der Rest der Welt, sondern sogar gescheiter als das eigene Buch. Merksatz: Abnehmen geht nur entspannt, mit Freude, Lust und Leichtigkeit, nie mit Müssen, immer mit Wollen. Das waren die vier großen Fails.
Ich hab mir für den zweiten Anlauf freundschaftliche Tipps vom superen deutschen Biohacker Andreas Breitfeld geholt. Ich geb sie gerne ungefiltert weiter:
Der No-Brainer: Muskeln aufbauen. Durch Krafttraining. Muskulatur ist der natürlichste und unbarmherzigste aller Feinde von Fettpolstern. Nein, Sie werden dadurch nicht sofort abnehmen, sondern vielleicht zuerst ein, zwei, hoffentlich sogar drei Kilo zunehmen. Nein, das ist nicht schlimm,sondern gut, siehe oben. Und nein, Sie werden nicht aussehen wie ein Möbelpacker, da können Sie jede Woche dreimal ins Fitnessstudio gehen.
Kriegen Sie Ihre Entzündungen in den Griff. Wir alle haben sogenannte „stille Entzündungen“, und nichts können Sie weniger in Ihrem Körper brauchen. Entzündungen machen krank und fett. Gegen Entzündungen helfen Kälte (Sie duschen eh schon kalt, oder?), helfen Beeren und Gewürze (Kurkuma, Ingwer), hilft Erden und helfen Öle (Omega-3-Fette, vor allem aus Fischen oder Algen, und gute MCT-Öle; meiden Sie um jeden Preis gehärtete Fette, Transfette und solches Zeugs, und wenn ein Öl nicht mehr frisch riecht, dann ist es kein Nahrungsmittel, sondern gleich Sondermüll).
Der Shortcut, vorausgesetzt, Ihr Arzt gibt dafür sein Okay: Schilddrüse aktivieren. Beim Kalt-Duschen (Sie duschen eh schon kalt, oder?) morgens ein paar Sekunden das Wasser auf die Schilddrüse halten, hin und wieder ein paar Minuten Infrarot draufstrahlen, Algen in die Ernährung einbauen. (Wegen dem Jod.) Andreas Breitfeld hat mit einem Gerät namens Thyreogym experimentiert: Das funktioniert, sagt er, aber so gut, dass er es gar nimmer verwendet. Wenn Ihre Schilddrüse mehr Gas gibt, bedeutet das mehr Aktivität, höheren Grundumsatz, mehr Kalorienverbrauch. Wenn sie zu viel Gas gibt, zeigt sich das in einer Fahrigkeit und Hibbeligkeit wie nach einem Krügel Espresso.
STEFAN WAGNER ist Biohacker, das heißt, von dem Gedanken beseelt, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Körper, Geist und Seele durch verschiedenste Maßnahmen zu verbessern – um so länger und besser zu leben. Bis 120, hat er sich vorgenommen. Mindestens.
Weiterlesen?
Sämtliche Kolumnen von Stefan Wagner findest du hier.

Wie du besser, gesünder und länger lebst –Podcast mit den Biohackern Andreas Breitfeld & Stefan Wagner
Nimm dein Leben selbst in die Hand. Mach es schöner, länger, intensiver, spannender und lebenswerter und verbessere dadurch die Welt. Das ist die einfache, aber schöne Idee hinter dem Begriff „Biohacking“, um den sich diese Podcast-Folge dreht. Weiterlesen...