Ich habe eine wirklich gute Idee, was Sie Ihren Leuten dieses Jahr zu Weihnachten schenken können. Das Geschenk passt für den etwas rundlich gewordenen Onkel Herbert, für die immer ein bisschen überspannte Tante Erna, für die unerschütterlich missmutige Teenager-Nichte und den freundlichen Herrn Mayer von Stiege 13.

Wirklich. Es passt für alle. Biohackerehrenwort. Ich sage das, weil ich zuletzt an einem Ein-Tages-Workshop teilgenommen habe, an dem man die Grundlagen der Wim-Hof-Methode erlernt. Wir waren zwanzig Leute dort, mindestens fünfzehn davon hatten sich mit dem Atmen davor höchstens beschäftigt, wenn der Hausarzt die Lungenfunktion oder der Polizist die Getränkeaufnahme kontrollierte, und kaltes Wasser war ihnen außerhalb von einem Trinkglas fix nicht begegnet.

Die jüngste Teilnehmerin war grad mal zwanzig, die älteste um die siebzig. Am Vormittag wurden Lungen weit, Seelen weich und Augen feucht, wie das nun mal so ist, wenn man in einer großen Gruppe professionell angeleitet ordentlich durchatmet – fully in, let go –, am Nachmittag stiegen alle, alle!, ins Zwei-Grad-Eiswasser, und am Ende des Tages gab es auf der Welt zwanzig beglückte Menschen mehr als an seinem Beginn.

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Gönnen Sie sich so einen Workshop und/ oder verschenken Sie einen Gutschein, kostet ein bisschen über 150 Euro, das Christkind schafft das. Wir haben in Österreich eine Menge richtig guter Leute, die solche Wim-Hof-Kurse anbieten, persönliche Erfahrungen habe ich bei Dominik Gräf, Matthias Berger und Sonja Flandorfer gemacht.

Meine erste Kolumne in diesem schönen Heft ist jetzt gut fünf Jahre her, und es ist irre, wie weit wir seither gekommen sind. Wer vor fünf Jahren Atemübungen gemacht, morgens das Duschwasser kalt aufgedreht oder das Frühstück ausgelassen hat, war offiziell plemplem. Wenn man im Winterteich baden wollte, riefen die Leute die Polizei, und wer abends eine Brille mit roten Gläsern trug, hatte wohl was mit den Augen, und nicht nur mit denen.

Heute treffen sich progressivere Steuerberatungskanzleien am Mittwochmorgen um sieben zum Eisbaden, intermittierendes Fasten steht im Rang der Brigitte-Diät, in Supermarktregalen liegen Keto-Produkte in einem Dutzend Geschmacksrichtungen, Medien wie „Der Standard“ oder „Der Spiegel“ mutmaßen, dass Blaulicht am Abend doch keine Superidee ist.

Erling Haaland, bester Fußballer der Welt, kann über Blueblockerbrillen philosophieren, schwärmt davon, wie toll er schläft, wenn er sich vorher den Mund zugeklebt hat, und singt das Hohelied des Verzehrs von Innereen. (Ist ein Insider. Biohacker nennen Leber das „Multivitamin von Mutter Natur“.)

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Ich will nicht sagen, dass wir Mainstream geworden sind, aber die Leute gehen ins kalte Wasser, in die Sauna und ins Gym, sie lassen Mahlzeiten aus, kümmern sich fürsorglich um ihren Schlaf, schauen darauf, dass ihre Versorgung mit den No-Brainern wie Magnesium und Kalium, Omega-3, Vitamin D und natürlich Kreatin passt.

Und was passiert? Sie haben auf einmal mehr Energie, sie werden konzentriertere Chirurginnen und besser gelaunte Taxifahrer, gelassenere Mütter und einfühlsamere Liebhaber, die Leute werden seltener krank und besetzen weniger Plätze in den Ambulanzen und Wartezimmern, am Ende hat die ganze Sache ja auch diesen handfesten volkswirtschaftlichen Aspekt.

Selber auf seine Gesundheit zu schauen ist nämlich ein ziemlich solidarischer Akt, irgendwann werden wir das auch als Gesellschaft kapieren, vielleicht. Wenn’s in diesem Tempo weitergeht, haben wir in fünf Jahren alle unseren Gentest gemacht, das ist einmal fix. Genetik und Epigenetik holen das gesamte Gesundheitswissen der Menschheit aus dem Nebel der Statistik ins Licht der Individualität. Wir werden zwei-, dreimal im Jahr unser Blut anschauen lassen, wir werden über unseren Schlaf genau Bescheid wissen, und NMN wird zu den No-Brainern gehören. Apropos NMN, darum geht es das nächste Mal, das Zeug ist wild …

Stefan Wagner

Foto: Martin Kreil

STEFAN WAGNER ist Biohacker, das heißt, von dem Gedanken beseelt, Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Körper, Geist und Seele durch verschiedenste Maßnahmen zu verbessern – um so länger und besser zu leben. Bis 120, hat er sich vorgenommen. Mindestens.

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